Parkraumbewirtschaftung

Umfrage Parkgebühren

Wie diskutiert man sinnvoll über Parkgebühren? Vor einer Weile schrieb ich dazu schonmal was auf Facebook, als ich einen Bericht der Thüringer Allgemeine geteilt habe.

Parkgebühren in Apolda

In meinen Augen, wird aber das Pferd (mal wieder) von hinten aufgezäumt. Parkgebühren können eine Lösung sein. Was aber ist das Problem, dass sie Lösen sollen? 

Hat Apolda zu wenig Parkplätze?

Fakt ist, dass die Stadt-Verwaltung durch die vielen Baumaßnahmen die Parkplatzsituation nicht verbessert hat. Teilweise wurden Parkplätze falsch konzipiert/gebaut (Bahnhofstraße), so daß ein Auto leicht zwei Parkplätze blockiert und Autos auf den Fußweg ausweichen, oder sie sind einfach aus Ästhetik wegrationalisiert/reduziert wurden (Lutherkirche, Darrplatz, Marktplatz). Die versprochenen Parkplätze sind einfach nicht da.

Am Schloss und beim Getränkemarkt!

Die werden als Dauerparkplätze genutzt. Am Schloss ist ein Teil reserviert für Kurzzeitparker. Das reicht für Besucher im Standesamt und ab und an für ein paar Arztbesuche. Für Kunden vom Getränkemarkt ist auch ein Teil reserviert, das reicht aber nicht, um mehr Bedarf für die Innenstadt abzudecken.

Marktpassage und Kaufland?

Das muss vorrangig den dortigen Kunden vorbehalten bleiben, wird aber aktuell auch von anderen Kurzzeit- und Dauerparkern überbeansprucht. Wenn es so weitergeht, ist es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis den Betreibern der Kragen platz. Denkbar ist dann ein Modell, bei dem zahlende Kunden an der Kasse das Parkticket entwerten lassen können.

Was ist mit dem Parkhaus Stadthalle?

Zu weit weg. Apolda ist eine Kleinstadt. Dort parken lohnt sich nicht. Das fühlt sich an, wie am Schloß parken, weil ich ins Kuntshaus möchte.

Das Parkhaus ist als Puffer in Ordnung (Großveranstaltungen). Wer aber glaubt, es sinnvoll in ein Kurzeit-Parkplatz Konzept für Apolda einbinden zu können, der möge mir verraten, was er rauchen. Allenfalls ist es eine Option für Dauerparker (bspw. für Arbeitnehmer, die einen Tagesstellplatz brauchen). Genau hier kann man mit Parkgebühren an anderen Stellen steuern, so dass andere Parkplätze unattraktiv genug werden, damit sich im Parkhaus eine Monatskarte (vielleicht um die 30-40 EUR) lohnt. Tip: bis zu 44 Euro Sachbezüge können Arbeitgeber steuerfrei im Monat gewähren. Clevere Arbeitgeber werden das tun. Wem das zu teuer ist, der muß auf Parkplätze in Nebenstraßen weiter außerhalb des Stadtzentrums weichen. Dort müssen kostenfreie Parkmöglichkeiten angeboten werden.

Innenhof im Landratsamt?

Kostet das noch Gebühren? Keine Ahnung. Ich parke immer in der Bahnhofstrasse vorm Landratsamt. Das kostet nix. Oh, ehm, aha! Da haben wirs wieder – Parkgebühren um die Nachfrage zu steuern.

Braucht Apolda Geld?

Das ist das größte Falsch-Argument in der ganzen Diskussion um Parkgebühren überhaupt. Eine echte Parkraumbewirtschaftung, die die Parkplatzprobleme löst, verursacht bei der Stadt (die nächsten 3-10 Jahre) mehr Ausgaben, als es an Einnahmen bringt.

Wer da auf die Kommunalaufsicht und notwendige Einnahmen-Erhöhung verweist, der verliert sich in Ausreden. Ein gescheites Konzept wird nachweisen, dass mal eben ein paar Parkautomaten keine Einnahmen erhöhen. Zu einer Parkraumbewirtschaftung gehören nicht nur die Parkgebühren, sondern auch Anschaffungs- und Betriebskosten, Schilder, Kennzeichnungen, Vandalismus und Personal/Gehälter. Fakt ist nämlich auch, wenn Parkautomaten aufgestellt werden, dann muss deutlich mehr kontrolliert werden als jetzt – allein schon aus dem Grund, weil es dann auch mehr zu kontrollieren gibt als jetzt. Damit prangere ich noch nichtmal an, das jetzt zu wenig kontrolliert wird (Stichwort Knöllchen und mögliche Einnahmen).

Fazit

Ja, Apolda hat Parkplätze, nur eben nicht an der richtigen Stelle. Hier helfen Parkgebühren bedingt. Es gibt Stellen, da kann man durch Parkgebühren Einfluss auf die Nachfrage nehmen. Das schafft vielleicht subjektiv ein besseres Angebot für Kurzzeitparker, nämlich genau dann, wenn die Gebühren ausreichend hoch sind, so dass Tagesparker auf umliegende Standorte (Parkhaus Stadthalle) ausweichen. Das macht es aber wiederum erforderlich, dass ein Konzept vorliegt, was alle Parkplätze einbezieht – auch Schloss, Getränkemarkt, Marktpassage, Kaufland, Landratsamt und umliegende Straßen.

Bleibt weiterhin das Problem der Attraktivität/Akzeptanz, aber zumindest für Kurzzeitparker könnte man das mit einer Brötchen-Taste verbessern.

Ich sage nicht, dass ich prinzipiell gegen eine sinnvolle Parkraumbewirtschaftung – ganz im Gegenteil: ich bin dafür – aber eben eine sinnvolle. Dazu muss auch die Mannschaft stimmen, die es umsetzen soll. Wenn dass dieselben Fachplaner sind, die Apolda in die heutige Situation gebracht haben, dann brauch ich was zur Beruhigung.

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